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Katze anlocken mit Futter oder Spiel? So funktioniert es wirklich (ohne Stress).

Im Vodergrund eine Hand mit einem Stück Wurst, versucht eine skeptische Katze im Hintergrund anzulocken.

Viele Katzeneltern fragen sich: Wie kann ich meine Katze anlocken? Besonders wenn es darum geht, die Katze in die Transportbox zu bekommen oder sie (für unangenehme Dinge) zu sich zu rufen, greifen viele zu Futter oder Spielzeug.
Doch funktioniert das wirklich – oder kann es sogar mehr schaden als helfen? In diesem Ratgeber erfährst du, warum das Anlocken deiner Katze mit Futter oft keine gute Idee ist und welche Alternativen dir helfen, Vertrauen aufzubauen, damit deine Katze freiwillig kooperiert und sogar Freude daran hat.

Auch wenn die menschlichen Absichten nachvollziehbar sind, wird recht schnell klar, dass diese Wege oder Methoden NICHT (nachhaltig) funktionieren können, wenn man sich die Perspektive der Katze anschaut.

Beispiel Transportbox:

  • Nur wenige Katzen gehen ohne Leckerchen freiwillig in die Transportbox, wenn diese in der Vergangenheit mit negativen Erfahrungen verknüpft wurde.
  • Ebenso ist es, wenn Futter in der Transportbox gestellt wird: Die meisten Katzen zögern erstmal oder weigern sich.

Beispiel Katzenzusammenführungen oder streitende Katzen:

  • Bei Zusammenführungen einander fremden Katzen werden Annäherungsversuche durch Locken mit Futter meistens mit fauchen, knurren oder sogar Angriffsversuchen seitens der Katzen quittiert.
  • Bei bestehenden Streitigkeiten in Mehrkatzenhaushalten wird zwar oft berichtet, dass die betreffenden Katzen zwar friedlich nebeneinander essen können, eine nachhaltig positive Auswirkung auf das Verhältnis zueinander hat das aber nicht. Der Grund dafür ist recht einfach: Essen ist überlebenswichtig und wird im Zweifel den eigenen Empfindungen vorangestellt. Das bedeutet aber nicht, dass es sich in dem Moment gut für die Katzen anfühlt. Im Gegenteil – oft wird das Futter eher hastig verschlungen und sich dann schnell entfernt. Manche Katzen warten auch, bis die andere Katze fertig ist.

An dem Prinzip des Lockens scheint also etwas nicht gut zu funktionieren und diese Aspekte möchte ich in diesem Artikel genauer beleuchten.

Der Begriff „Locken“

In Definitionserläuterungen und Begriffserklärungen findet man Assoziationen wie „ködern“, „anlocken“, „Lockangebot“, jemanden „bezirzen“ und ähnliche Begriffe. Das sind alles Dinge, die in der Regel unfreiwillig bzw. ohne eigene Motivation passieren, sondern immer mit einer gewissen Form des Überredens zu tun haben. Es kommt immer zu einem Konflikt, nämlich dem des Abwägens und der Unfreiwilligkeit.

Locken aus Katzensicht

Nehmen wir als erstes Beispiel die Transportbox, auf die viele Katzen ohnehin nicht gut zu sprechen sind, da sie sehr oft negative Empfindungen damit verbinden, wie z.B. einem Tierarztbesuch.


Versuchst du nun deine Katze mit etwas Attraktivem, wie z.B. einem Leckerchen zu locken, entsteht ein Konflikt: Auf der einen Seite hat deine Katze große Lust auf die Leckerei, auf der anderen Seite ist da diese gruselige Box, mit der sie viel Negatives verbindet. Folge: Sie wird zögern und/oder die Leckerei verweigern.


Die andere Variante ist, dass deine Katze hocherfreut und fokussiert hinter dem Leckerchen herläuft, welches sich in deiner Hand Richtung Box bewegt und im letzten Moment erstarrt oder erschrickt, weil sie sich unfreiwillig in oder unmittelbar vor der Box wiederfindet. Folge: Beim nächsten Mal wird sie zögerlicher oder verweigert von Anfang an die „Kooperation“.


Eine dritte Variante ist, dass deine Katze nach einigen Überwindungen und Konflikten zwar in die Box geht und das Leckerchen annimmt, aber spätestens, wenn der nächste Tierarztbesuch ansteht, wird deine Katze panisch werden oder viel Angst haben und beim nächsten Mal gar nicht mehr mitmachen.

Locken ist also immer ein Konflikt und hat keinen nachhaltigen Lerneffekt!

Und die Sache mit dem Leckerchen hat noch einen weiteren Nachteil. Wenn deine Katze für den Tierarztbesuch nüchtern sein muss, hast du ein Problem. Dann funktioniert das Prinzip „mit Futter locken“ nämlich nicht mehr und du musst gegebenenfalls doch Zwang anwenden.

Am Beispiel von Katzen, die zusammengeführt werden sollen und sich (noch) nicht besonders mögen, haben wir beim Thema Locken den gleichen Effekt bzw. Konflikt. Einerseits die tolle Leckerei, aber andererseits die andere Katze, die so komisch riecht und einen Teil des vertrauten Reviers einnimmt.
Oder eine der beteiligten Katzen folgt der Leckerei und findet sich im letzten Moment in unmittelbarer Nähe der anderen Katze wieder. Die Reaktionen können höchst unterschiedlich ausfallen, von schnellem Rückzug und Verstecken bis hin zu Angriff ist dem Repertoire kaum eine Grenze gesetzt.
Ob das nachhaltig funktioniert und die beteiligten Katzen eine Freundschaft schließen können? Eher nicht – auch wenn das in äußerst seltenen Ausnahmefällen möglicherweise geklappt hat.

Doch wie sonst, wenn nicht mit locken?

Wenn deine Katze etwas freiwillig tut, dann hat sie gründlich abgewägt und eine bewusste Entscheidung getroffen.
Zu den allerwichtigsten Charaktereigenschaften von Katzen zählt Neugier! Und Neugier beginnt schon mit ganz kleinen Dingen und feinen Nuancen, wie z.B. einem kurzen Hinschauen.

Nehmen wir wieder das Beispiel Transportbox:
Damit deine Katze die Angst vor der Transportbox verliert und freiwillig hineingeht, sollte im ersten Schritt die Box oder Tasche ein dauerhaftes verfügbares Möbelstück sein. Gemütlich ausgestattet mit einem kuscheligen Kissen und an einem Ort in der Wohnung platziert, wo sich die „Höhle“ gut integriert.
Ist die Transportbox 24/7 vorhanden, verliert sie für deine Katze mit der Zeit die Assoziation Transportbox = Tierarzt.
Mehr zur Auswahl von Transportboxen kannst du in diesem Blogartikel lesen:

Mit Training ans Ziel

Die Transportbox ist zwar jetzt als ein ständiges Katzenmöbel in der Wohnung integriert, doch viele Katzen sind auch jetzt noch berechtigterweise skeptisch, zurückhaltend, vorsichtig. Aber sehr wahrscheinlich wird deine Katze nach einiger Zeit zumindest mal in die Richtung der Box schauen. Der Abstand zur Box ist hier völlig irrelevant! Das können 5 Meter sein, aber auch 30 Zentimeter.
Wenn du den Moment des Hinschauens gezielt belohnst und deiner Katze das Leckerchen so gibst, dass sie die Distanz zur Box sogar etwas vergrößern muss, erfährt deine Katze eine doppelt positive Bestätigung – fürs Anschauen der Box UND für die Distanzvergrößerung.
Wenn du dies mehrfach wiederholst und deine Katze fürs Hinschauen zur Box belohnst, wird sie den Zusammenhang schnell verstehen und mutiger werden. Vielleicht verringert deine Katze den Abstand zur Box etwas oder sie kann sogar mal entspannt daran vorbeilaufen?
Belohne dieses Verhalten gezielt, denn mit jeder Bestätigung für eigenständige Entscheidungen wird deine Katze zunehmend mehr Vertrauen gewinnen und lernen, dass von der Box im Grunde keine Gefahr ausgeht. Und irgendwann seid ihr dann auch so weit, dass deine Katze freiwillig in die Box geht und diese als wunderbaren Wohlfühlort akzeptieren kann.
Diese Form der positiven Verstärkung ist wesentlich nachhaltiger, und auch wenn ein Tierarztbesuch anstehen sollte, wird deine Katze danach die Box weit weniger gruselig finden, als vorher.
Sicher, für diesen Weg ist oft viel Geduld und Zeit nötig, als bei der Variante des Lockens. Dafür ist diese Form des Lernens weitaus nachhaltiger und damit langfristig zielführender.

An dieser Stelle möchte ich dir einen Online-Selbstlernkurs meiner Kollegin Christine Hauschild empfehlen: Transportbox-Training – Mach deine Katze zum Boxen-Profi! (Affiliate-Link).

Bei Katzenzusammenführungen funktioniert ebenfalls das Prinzip der positiven Verstärkung viel besser und vor allem nachhaltiger. Zusammenführungen sollten stets gut durchdacht und vorbereitet sein! Ein behutsames und langsames Kennenlernen mit vielen positiven Erfahrungen gibt den Katzen viel mehr Zeit, sich aneinander zu gewöhnen und kennenzulernen.
Eine Zusammenführung kann zum Beispiel aus folgenden Einzelschritten bestehen:

  • Auswahl einer passenden Partnerkatze
  • Willkommenszimmer für die neue Katze und langsame Eingewöhnung an die neue Umgebung
  • Austausch von Gerüchen über Kissen, Decken und Co. und gleichzeitiger positiver Verstärkung der Gerüche
  • Kurze Begegnungssequenzen an einer Gittertür mit positiver Verstärkung ➡️ Andere Katze = Jackpot!
  • Ausbau der Begegnungssequenzen an der Gittertür
  • Gemeinsame positive Erlebnisse (z.B. Spiel) in geschützten Bereichen, aber mit Sichtkontakt
  • Erste kurze Begegnungen ohne Gittertür
  • usw.

Wichtig! Jede Zusammenführung ist individuell! Es gibt keine ultimative To-Do-Liste, die allgemeingültig ist, denn Katzen sind individuelle Persönlichkeiten mit ganz eigenen (Vor-)Erfahrungen und Erlebnissen.

Du brauchst Unterstützung bei einem Katzenproblem und wünscht dir eine professionelle Verhaltensberatung? Ich unterstütze dich gerne!

Weitere Beträge:

Kerstin_Hoefkes
Hey, ich bin Kerstin!

Ich helfe Dir Katzenverhalten zu verstehen und Probleme zu lösen sowie einen kreativen und abwechslungsreichen Katzenalltag zu gestalten. Mit meiner Unterstützung zu einem unbeschwerten und glücklichen Miteinander!